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„Heiligabend ist besonders schlimm“

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Altersarmut zeigt sich selten auf den ersten Blick, dafür aber in ganz vielen kleinen Momenten. Beim Blick auf die Stromrechnung zum Beispiel, oder beim Öffnen des Kühlschranks. „Viele Menschen merken oft erst beim Renteneintritt, dass es plötzlich nicht mehr reicht“, sagt Sarah Kudella vom Seniorenbüro-Mitte, das auch für Altenbochum zuständig ist.

Wer sein Leben lang in derselben Mietwohnung lebt, stehe auf einmal vor der Frage: Miete, Strom, Wasser – und was bleibt dann noch für mich übrig? „Das, was das Leben lebenswert macht – Lebensmittel, Kultur, die Tageszeitung –, fällt dann oft hintenüber.“ Wie knapp es wirklich ist, zeigt sich unter anderem bei den kostenlosen Frühstücksangeboten, die das Seniorenbüro organisiert. In Altenbochum kommen jeden Monat rund 20 Menschen zusammen.

Einige genießen die Gesellschaft – andere kommen mit Tupperdosen. „Sie fragen dann: Bleibt etwas übrig? Darf ich das bitte mitnehmen?“ Einmal brachte eine ältere Dame eine Thermoskanne mit. „Sie hat gehofft, dass sie Kaffee mit nach Hause nehmen kann“, sagt die Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin. „Das ist total traurig. Doch genau das zeigt, was Altersarmut bedeutet.“ Viele Menschen würden lange in ihrer Situation verharren – aus Scham, sich Hilfe zu holen. Denn wer Grundsicherung beantragt, muss viel offenlegen – auch das Umfeld. „Viele sagen dann: Ich habe mein Leben lang gearbeitet – und jetzt muss ich mich komplett ausziehen.“

Besonders betroffen seien Frauen, die wegen Kindererziehung oder Mini-Jobs nur wenig in die Rentenkasse einzahlen konnten. Wer allein lebt, spürt die Kosten noch stärker. Ein Erlebnis hat Sarah Kudella besonders berührt: Eine ältere Dame hat ihr stolz erzählt, dass sie 26 Euro Strom gespart hat. Wie sie das gemacht hat? „Sie hat einfach den Kühlschrank ausgeschaltet und ihre Lebensmittel auf den Balkon gestellt. Es war ja Winter.“ Was für viele undenkbar wäre, war für die Bochumer Seniorin eine Option. „Da kriegt man Gänsehaut – und einen ganz anderen Blick darauf, was ein paar Euro bedeuten können.“

Das Seniorenbüro versucht zu helfen, wo es kann. Mit Beratungsangeboten, um das Maximum an finanzieller Unterstützung auszuloten und zu beantragen, aber auch mit Angeboten, die für Abwechslung sorgen. Dazu zählen kostenlose Frühstücke, Mittagstische für einen Euro und Veranstaltungen ohne versteckte Kosten. „Wir achten zum Beispiel darauf, dass nach Stadtteilspaziergängen nicht noch in ein Café gegangen wird. Das ist für viele nicht zu bezahlen. Dann nehmen sie erst gar nicht teil.“

Wichtig sei auch die Gemeinschaft. Am heftigsten spüre man die Einsamkeit an Weihnachten. „Heiligabend ist besonders schlimm“, sagt Kudella. Deshalb organisiert das Projekt „WEGEweisend – abgesichert & eingebunden ins Alter“, zu dem neben dem Seniorenbüro auch noch andere Partner gehören, auch in diesem Jahr wieder eine Weihnachtsfeier im Stadtteil Hamme. „Beim letzten Mal waren fast 30 Personen da, auch zwei obdachlose Damen“, sagt Sarah Kudella. „Für viele ist das der einzige festliche Moment im Jahr.“

Wer mit dabei sein möchte, kann sich über das Seniorenbüro-Mitte anmelden. Telefon: 92 78 63 90

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