Zu wenig Platz für alle

Der Verkehrsversuch in Linden wird wissenschaftlich von der Hochschule Bochum begleitet. Und dort wird die Neuaufteilung des Straßenraums als notwendig und sinnvoll erachtet. Denn die Voraussetzungen geben keinen großen Spielraum für die Planer.
Auf der Hattinger Straße müssen in naher Zukunft Kanäle und Straßenbahngleise erneuert werden. Auch die bisherige Führung der Radwege ist nicht mehr zulässig. „Vor allem aber ist der Raum zwischen den Gebäuden teils gerade 18 Meter breit, nötig wären 28 Meter für zwei Fahrspuren mit Schienen, Radstreifen, Parkplätzen und Gehwegen“, sagt Iris Mühlenbruch, Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen am Institut für Mobilität und Verkehrssysteme.
Mehr Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität will die Stadt erreichen und testet, wie sich die Verringerung der Höchstgeschwindigkeit, die Verlagerung der Radwege und der Wegfall von Parkplätzen auf die Nutzung des öffentlichen Raums auswirken. „Denn weder auf dem Gehweg noch auf der Fahrbahn ist ein Radweg ideal“, macht Mühlenbruch deutlich, allein schon, wenn weniger als ein Meter Breite verfügbar ist.
1,8 Meter müssten es schon sein, auch zugunsten der Außengastronomie. So blieben als zusätzlicher Raum nur die bisherigen Parkplätze. „Und rechnerisch müssten die vorhandenen Parkflächen in der Nähe, am Marktplatz und am Poter, tagsüber ausreichen“, sagt Mühlenbruch. Die 13 Parkplätze, die nun weggefallen sind, seien „nicht die Welt“. An anderer Stelle habe sich gezeigt, dass Parkplätze „vor der Tür“ gar nicht nötig seien. Eine fußläufige Erreichbarkeit in rund 300 Metern reiche aus.
„Eine Umgestaltung soll selbstverständlich nicht gegen den Willen der Bevölkerung geschehen“, betont Mühlenbruch. Dennoch müsse abgewogen werden, welche Möglichkeit das größte Potenzial hat, wenn der Raum für alle schlicht zu eng sei.
